Eine Kartensammlung bewerten – die Reihenfolge, die dir Stunden spart
Eine Kartensammlung bewerten heißt nicht, jede Karte einzeln nachzuschlagen. Es heißt sortieren, Bulk aussieben, die paar Dutzend Karten, die wirklich zählen, genau bewerten und alles sauber festhalten. Diese Reihenfolge funktioniert beim Karton vom Dachboden genauso wie beim Ordner eines Kunden.
Schritt 1: Sammlung nach Spielen und Sets sortieren
Bevor du mit der Bewertung beginnst, teil die Sammlung in Stapel auf. Zuerst nach Spiel (Pokémon, Magic, Yu-Gi-Oh!, One Piece, Lorcana), dann nach Sprache und zum Schluss nach Set. Das Set-Symbol oder den Set-Code findest du meist im unteren Teil der Karte, neben der Nummer.
Wozu das alles? Weil du Preise innerhalb eines Sets prüfst – und erst nach dem Sortieren siehst, womit du es zu tun hast. Fünfhundert Karten aus einem alten Set sind etwas ganz anderes als fünfhundert Karten aus zehn neuen. Nebenbei findest du Dinge, die im Chaos leicht untergehen: japanische Karten zwischen englischen, Promos ohne Set-Symbol, einzelne Karten aus anderen Spielen.
Sortier noch nicht nach Wert – in dieser Phase zählt Tempo. Lass Gummibänder weg (sie hinterlassen Abdrücke an den Kanten); nimm Trenner oder Kartonboxen für Karten.
Schritt 2: Wertvolle Karten vom Bulk trennen
Bulk sind Karten, deren Einzelpreis so niedrig ist, dass man sie in Masse verkauft – stückweise, nach Kilo oder im Paket. In den meisten Sammlungen ist das der weitaus größte Teil. Bewerte sie nicht einzeln, sonst verlierst du Stunden für Cent-Beträge.
Was du sofort auf den Stapel „prüfen“ legst:
- Karten mit glänzender Ausführung: Holo, Reverse Holo, Foil, strukturiert, Full Art,
- Karten mit einer Nummer höher als die Kartenanzahl im Set (Secret Rare) oder mit Kennzeichnungen höherer Seltenheiten,
- Karten aus alten Sets – in vielen Spielen sind frühe Ausgaben deutlich teurer,
- Karten mit Stempeln, Promos, Turnier- und Jubiläumsausgaben,
- alles, was ungewöhnlich aussieht: Fehldruck, andere Sprache, anderer Rahmen.
Wie du die Seltenheit im jeweiligen Spiel erkennst, beschreiben wir separat: Pokémon Seltenheiten, Magic, Yu-Gi-Oh!, One Piece und Lorcana. Zähl auch den Bulk – die Stückzahl genügt, aufgeteilt in normale Karten und günstigere Holos/Reverse.
Schritt 3: Version und Zustand jeder wichtigen Karte prüfen
Jetzt wirst du langsamer. Jede Karte vom Stapel „prüfen“ identifizierst du über Name, Nummer und Set – der Name allein reicht nicht, weil dieselbe Figur in Dutzenden Ausgaben vorkommt. Dann bestimmst du die genaue Version: Ausführung (Holo, Reverse, Foil), Sprache, Stempel, Rahmen, bei alten Sets 1st Edition. In diesen Details stecken die größten Preisunterschiede.
Der zweite Punkt ist der Zustand. Marktpreise gelten meist für Near Mint; jede schlechtere Stufe (LP, MP, HP, DMG) senkt den Preis. Sieh dir die Karten bei gutem Licht und schräg an – Kratzer im Holo und Knicke siehst du erst dann. Details: Kartenzustand NM, LP, MP, HP und DMG.
Bei teuren Karten prüf auch die Echtheit – Fälschungen tauchen auch in geerbten Sammlungen auf. Worauf du achten solltest: gefälschte Pokémon-Karten erkennen.
Schritt 4: Transaktionspreise prüfen, keine Angebotspreise
Der Wert einer Karte ist der Preis, zu dem sie tatsächlich jemand kauft – nicht das höchste Angebot im Netz. Deshalb:
- schau bei Cardmarket auf den Preistrend und den 30-Tage-Durchschnitt, nicht auf ein einzelnes teures Angebot,
- nutze bei TCGplayer den „Market Price“, der aus echten Verkäufen berechnet wird,
- prüf bei seltenen und gegradeten Karten beendete, verkaufte Auktionen (z. B. bei eBay), keine aktiven,
- rechne Dollarpreise zum aktuellen Kurs um und notiere das Datum der Bewertung – Kartenpreise ändern sich.
Denk auch daran: Der Marktpreis ist nicht das, was du am Ende auf die Hand bekommst. Ein Laden, der die ganze Sammlung kauft, zahlt weniger als die Summe der Marktpreise, weil er Risiko und Verkaufsdauer trägt. Die Unterschiede zwischen den Plattformen erklären wir im Ratgeber Cardmarket oder TCGplayer.
Schritt 5: Bewertung in einer Tabelle festhalten
Eine Bewertung, die du nicht aufschreibst, ist schnell vergessen und lässt sich schwer jemandem zeigen. Führe eine einfache Liste – in einer Tabellenkalkulation oder in einem Programm, das Daten als CSV exportiert. Die Mindestspalten:
| Spalte | Wozu |
|---|---|
| Spiel, Set, Nummer, Name | eindeutige Identifikation der Karte |
| Version und Sprache | Holo/Reverse/Foil, Stempel, EN/JP – eigene Preise |
| Zustand | NM, LP, MP, HP, DMG |
| Stückzahl | Duplikate verändern die Summe |
| Preis und Quelle | z. B. Cardmarket-Preistrend mit Datum |
| Notizen | fürs Grading, zur Prüfung, Fälschungsverdacht |
Den Bulk trägst du mit ein oder zwei Sammelpositionen (Stückzahl) ein. Bei großen Sammlungen fotografiere die wichtigeren Karten – das hilft beim Verkauf und bei einem möglichen Streit. Im Laden bewährt sich das Scannen mehrerer Karten auf einmal: In RipWorth legst du die Karten auf die Matte, machst ein Foto und bekommst eine Liste mit Preisen und Summe; über die Ankaufssitzung exportierst du sie als CSV nach Excel.
Die häufigsten Fehler bei der Bewertung einer Sammlung
- Bewertung nach dem Namen der Figur statt nach Nummer und Set – so liegst du schnell um ein Vielfaches daneben.
- Das teuerste Angebot als Kartenpreis nehmen. Ein Angebot ist der Wunsch des Verkäufers, nicht der Wert.
- NM-Zustand annehmen bei Karten, die lose in einer Kiste lagen. Eine ehrliche Zustandsbewertung verändert die Summe stärker als jeder Wechselkurs.
- Versionen übersehen – Reverse Holo, Stempel oder Sprache sind eigene Preispositionen.
- Bulk stückweise bewerten – kostet Zeit, die dir dann für die genaue Prüfung der teuren Karten fehlt.
- Kein Datum bei den Preisen. Eine Bewertung von vor einem halben Jahr kann in beide Richtungen veraltet sein.
Wenn die Liste fertig ist, kannst du entscheiden, wie es weitergeht: Verkauf als Ganzes, einzeln oder Grading der besten Karten. Einen Vergleich der Verkaufskanäle findest du im Ratgeber Pokémon-Karten verkaufen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, eine Kartensammlung zu bewerten?
Das hängt von der Zahl der prüfenswerten Karten ab, nicht von der ganzen Sammlung. Nach dem Sortieren und Aussieben des Bulks bewertest du nur noch einen kleinen Teil der Karten genau – das verkürzt die Arbeit erheblich.
Zahlt mir ein Laden den vollen Marktpreis für meine Sammlung?
Meist nicht. Ein Laden kauft mit Abschlag, weil er Risiko und Kosten trägt und auf den Verkauf wartet. Die Marktbewertung zeigt dir aber, ob das Ankaufsangebot vernünftig ist.
Was mache ich mit Bulk-Karten?
Zähl sie und verkauf sie in Masse – an einen Laden, als Paket auf Kleinanzeigen-Portalen oder an Spieler. Bulk einzeln zu bewerten, lohnt sich selten.
Woher nehme ich die Preise für die Bewertung einer Sammlung?
Aus Transaktionspreisen: Preistrend und 30-Tage-Durchschnitt bei Cardmarket, Market Price bei TCGplayer und bei seltenen und gegradeten Karten verkaufte Auktionen. Notiere immer das Datum der Bewertung.
Siehe auch
Spiel- und Dienstnamen sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber. Dieser Ratgeber dient nur zur Information; Kartenpreise ändern sich täglich.