Grading und Zustand

Karten graden bei PSA, CGC und BGS – lohnt sich das und wie rechnest du es aus?

Mateusz Ryś · 28. Oktober 2026 · ca. 7 Min. Lesezeit

Grading ist die Bewertung des Kartenzustands durch eine unabhängige Firma, die die Karte in einem Kunststoffgehäuse (Slab) mit einer Note von 1 bis 10 versiegelt. Lohnt sich das? Nur wenn der Preis nach dem Grading minus alle Kosten deutlich über dem Preis der ungegradeten Karte liegt – inklusive des Risikos, dass die Note schlechter ausfällt als erhofft.

Grading bei PSA, CGC und BGS – was ist das?

Die bekanntesten Grading-Firmen auf dem Kartenmarkt sind:

Jede Firma bewertet die Karte, vergibt eine Zertifikatsnummer und versiegelt sie im Slab. Die Nummer lässt sich in der Datenbank der Firma prüfen, was Betrug erschwert und den Verkauf erleichtert. Die Preise derselben Note unterscheiden sich zwischen den Firmen – vergleiche also immer PSA 10 mit PSA 10, nicht mit CGC 10.

Was bringt ein Slab außer der Note? Erstens eine Echtheitsbestätigung – die Firma versiegelt keine Karte mit Note, die sie für eine Fälschung hält. Zweitens Schutz – eine Karte im Slab ist gegen Knicke, Staub und Feuchtigkeit geschützt. Drittens einen leichteren Fernverkauf – ein Käufer aus einem anderen Land muss sich nicht auf deine Zustandsbeschreibung verlassen, er hat die Note einer unabhängigen Firma. Bei günstigen Karten wiegen diese Vorteile die Kosten meist nicht auf, bei teuren sind sie manchmal wichtiger als der reine Preisunterschied.

Die Skala 1–10 und worauf die Grader achten

Die Noten reichen von 1 (stark beschädigte Karte) bis 10 (höchste Note, z. B. Gem Mint bei PSA). Die Firmen haben eigene Namen für die einzelnen Stufen und eigene Regeln für halbe Noten – Details findest du auf ihren Websites.

Die Grader bewerten vier Bereiche:

  1. Zentrierung – ist der Rand auf jeder Seite gleich breit, vorne und hinten?
  2. Ecken – scharf, ohne Weißstellen und Abrundungen.
  3. Kanten – ohne weiße Punkte und Abrieb.
  4. Oberfläche – ohne Kratzer, Dellen, Abdrücke und Druckfehler.

Eine Karte in NM (zu den Zuständen: NM, LP, MP, HP, DMG) bekommt nicht zwangsläufig eine 10. Der häufigste Grund für Abzüge ist die Zentrierung – eine Karte kann wie neu aussehen und trotzdem auf einer Seite einen deutlich breiteren Rand haben. Die genauen Zentrierungsgrenzen für die einzelnen Noten veröffentlichen die Grading-Firmen, und sie können sie ändern.

Lohnt sich Grading? Eine einfache Rechnung

Bevor du eine Karte einschickst, rechne es in vier Schritten durch:

  1. Preis ungegradet (raw) in NM – von Cardmarket oder TCGplayer.
  2. Preise nach Grading – getrennt für 10, 9 und 8 (verkaufte eBay-Auktionen, PriceCharting).
  3. Kosten – Grading-Gebühr laut aktueller Preisliste der Firma, versicherter Versand hin und zurück, eventuell Gebühr eines Vermittlers, Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer bei der Rücksendung, Verkaufsgebühr.
  4. Risiko – schätze ehrlich ein, wie hoch die Chance auf eine 10 ist und wie hoch auf eine 9 oder 8.

Grading ergibt Sinn, wenn die Karte selbst bei einer Note unter deiner Erwartung nach Abzug der Kosten mehr wert ist als ungegradet. Lohnt es sich nur bei einer 10, ist es eine Wette und keine Investition.

SituationMeistens …
Günstige Karte, kleiner Unterschied zwischen raw und 10lohnt sich nicht – die Kosten fressen den Gewinn
Teure Karte, perfekte Zentrierung, großer Unterschied bei 9 und 10eine Überlegung wert
Karte mit sichtbarer Weißstelle oder Kratzereher nicht – die Note wird niedrig
Karte, die du jahrelang in der Sammlung behalten willstder Slab schützt die Karte, auch wenn der Gewinn klein ist
Teure alte Karte, Zweifel an der EchtheitGrading bestätigt die Echtheit und erleichtert den Verkauf

Hilfreich ist auch ein Blick auf die Population – wie viele Exemplare der Karte schon eine 10 haben. Sind es sehr viele, fällt der Aufschlag für eine 10 oft kleiner aus.

Wie du Karten aus Deutschland oder Österreich zum Grading schickst

Meist gibt es zwei Wege:

In beiden Fällen gilt: Fotografiere die Karten vor dem Versand, verpacke sie in Hüllen und halbstarre Kartenhalter (z. B. Card Saver), versichere die Pakete und kläre, wie es mit Zoll und Steuern aussieht, wenn die Karten von außerhalb der EU zurückkommen. Gebühren nennen wir nicht als Beträge, weil Preislisten und Bearbeitungszeiten sich oft ändern – prüf sie direkt bei der Firma oder beim Vermittler.

Welche Karten du zum Grading auswählen solltest

RipWorth hat einen Rechner „Lohnt sich Grading?“: Er misst die Zentrierung aus dem Foto, schätzt die Chance auf PSA 9 oder 10 und berechnet den Gewinn nach Kosten. Ein guter Vorfilter bei vielen Karten – die endgültige Entscheidung bei einer teuren Karte triffst du trotzdem erst, nachdem du sie dir genau angesehen hast. Preise von Versionen und Märkten erklären wir im Ratgeber Wert von Pokémon-Karten herausfinden.

Häufige Fragen

Was kostet PSA-Grading?

Der Preis hängt vom Service-Level, dem angegebenen Wert der Karte und der aktuellen Preisliste ab, die sich ändert. Prüf sie auf der Website von PSA oder beim Vermittler – dazu kommen noch Versand, Versicherung und eventuell Zoll.

Bekommt eine Karte frisch aus dem Booster eine PSA 10?

Nicht immer. Auch eine neue Karte kann ab Werk eine schwache Zentrierung, Kratzer oder Druckfehler haben. Deshalb solltest du sie vor dem Einschicken genau ansehen.

PSA, CGC oder BGS – welche Firma soll ich wählen?

Bei Pokémon-Karten wird am häufigsten PSA gewählt, weil ihre Slabs am Markt am bekanntesten sind. Auch CGC und BGS haben ihre Käufer – vergleiche die Preise verkaufter Karten mit der jeweiligen Note.

Kann ich Karten aus Deutschland oder Österreich zum Grading schicken?

Ja – direkt an die Grading-Firma, wenn sie Bestellungen aus Europa annimmt, oder über einen Vermittler, der Karten von vielen Leuten sammelt. Prüf die aktuellen Bedingungen, Wartezeiten und Zollfragen.

Siehe auch

Spiel- und Dienstnamen sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber. Dieser Ratgeber dient nur zur Information; Kartenpreise ändern sich täglich.